Einst das grosse Ragazer Bibelquiz ...

... heute grundlegende Kritik an Gott, Bibel und Christentum.


Deschner - Der gefälschte Glaube
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Das Ragazer Bibelquiz umfasste bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2008 insgesamt 1'109 Fragen. 29'495 Teilnehmer beantworteten 953'340 Fragen. Nebst vielen weiteren Bibelrätseln fanden sich hier auch über 500 Sudokus.
Heute ...
... stehen unverkennbar keine (Bibel-)Rätsel mehr zur Verfügung.
Stattdessen finden Sie hier nun manches Interessante und auch Erschreckende über Gott und Bibel, über Religion und Glaube, Dinge, die Kirchen und ihre Diener verschweigen und Gläubige meist nicht wissen (wollen).
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Info
Diese Seite wurde am am 01.07.2012 letzmals aktualisiert.

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Gott, Schöpfer von Himmel und Erde

"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." Das sind die ersten Worte im heiligen Buch der Bücher, der Bibel. Das Johannes-Evangelium bekräftigt: "Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist."

Die Bibel lässt uns weiter wissen, dass Gott im Garten Eden, wohin er den Menschen gesetzt hatte, einen Baum des Lebens und einen Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wachsen liess. Dem Menschen verbot er unter Androhung des Todes, von den Früchten des letzteren zu essen.

Alles, was er gemacht hatte, das befand Gott als sehr gut, sagt die Bibel. Ob Gott bei dieser Beurteilung seines Werkes auch schon daran gedacht hat, dass der Garten Eden wohl bald zu klein sein würde für den Menschen mit seinen Nachkommen und allen weiteren der Nachgekommenen? Dem war offenbar so, denn was nun folgte, war ...

... nicht einfach nur ein Betriebsunfall!

Was bald darauf geschah, hatte für den Menschen fatale Folgen. Die listige Schlange brachte Adam und Eva dazu, von der Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu naschen - mit den uns bekannten furchtbaren Folgen bis auf den heutigen Tag.

Das Böse war damit geboren, hatte Gestalt angenommen. Tod, Leiden, Kummer und Not zogen ein ins menschliche Leben - mit allen Konsequenzen. Judenvergasungen oder Hiroshima beispielsweise hätte es ohne diese schreckliche Strafe Gottes nicht geben können und kein Kind hätte in den Armen der Eltern sterben müssen.

Man kann es nun drehen und wenden wie man will und kommt nicht umhin festzustellen: Geschaffen wurde das Böse vor dem Sündenfall, von Gott. Denn wenn Gott alles geschaffen hat, dann nicht nur das Gute, sondern genauso das Böse und die Schlange als Verführerin.

Ja, er schuf überhaupt erst die Möglichkeit, durch Nichtbefolgen seines Verbotes böse sein zu können: Ohne den Baum der Erkenntnis mit seinen Früchten mitten im Garten Eden und ohne das (völlig unbegründete) Verbot Gottes hätte es weder eine Versuchung gegeben noch hätte der Mensch ein (an sich sinnloses) Verbot übertreten können.

Würde also jemand behaupten, nicht Gott hätte das Böse geschaffen,
  • dann müsste eine Macht neben oder gar vor oder über Gott existieren, eine Macht, die gleich oder gar mächtiger wäre als er, ja womöglich gar sein Ursache, also der Schöpfer des Schöpfers. Das würde die Frage beantworten, woher denn Gott kommt ...
  • oder aber dann wäre das Böse sozusagen aus sich selbst heraus entstanden. Damit stünde jedoch fest, dass entgegen der Ansicht vieler Gläubiger eben doch Dinge aus sich selbst entstehen können und ein Schöpfer keine zwingende Notwendigkeit ist.
Hier bleiben wir jedoch beim unmissverständlichen biblischen Befund. Danach ist unzweifelhaft Gott für das Böse, den Tod und das Leiden der Menschen verantwortlich, denn "ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.", und, wie wir wissen, "das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort".

Diese Verantwortlichkeit Gottes für das Böse, das Unheil, das Leiden bestätigt uns die Bibel unmissverständlich: "Ich erschaffe das Licht und mache das Dunkel, ich bewirke das Heil und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt." (Jes 45,7) und "Geschieht ein Unglück in einer Stadt, ohne dass der Herr es bewirkt hat?" (Am 3,6). Der biblische Befund lässt keinen Spielraum für Interpretationen, d.h. Gott kann nicht aus der Verantwortung entlassen werden.

Der nicht urteilsfähige Mensch

Gott führte Gott den Menschen nicht nur in Versuchung. Perfiderweise, und das wird oft übersehen, versagte Gott dem Menschen auch, die Konsequenzen seines Handelns beurteilen zu können: Der Mensch verfügte nicht nur über keine Erkenntnis zwischen gut und böse (diese Erkenntnis "hing ja noch am Baum"), nein, er wusste auch nicht, was Tod bedeutete. Schliesslich bestand seine ganze Lebenserfahrung nur aus einem ungetrübten, sorglosen Leben im Garten Eden.

Mit anderen Worten: Der Mensch, den Gott heimtückisch verführte und danach schrecklich bestrafte, war mangels Erkenntnis, Wissen und Erfahrung nicht einmal urteilsfähig.

Darf's ein bisschen mehr sein?

Dass Gott die ersten Menschen für eine unbedeutende und vor allem von ihm, Gott, selbst initiierte Verfehlung derart grausam bestrafte, ist allein schon eine unbeschreibliche Infamität.

Dass Gott es dann nicht bei dieser furchtbaren Strafe beliess, sondern den Menschen über das hinaus aus dem Garten Eden vertrieb und Krankheit, Leiden, Schmerzen, Nöte und Mühsal schon während der Lebenszeit auf die Todesstrafe drauf schlug, das ist unmenschlich sadistisch, gerade auch in Anbetracht des Umstandes, dass dieser angeblich so gütige und so barmherzige Gott diese schrecklichen Strafen in einer Art Sippenhaft auf die ganze Nachkommenschaft von Adam und Eva ausdehnte. Das Leiden der Menschen muss für diesen Gott wohl ein überaus ergötzendes Schauspiel sein ...

... denn wie sonst ist es zu erklären, dass er auf kein noch so angst- und schmerzerfülltes Schreien aus tiefster Not reagiert, dass ihn kein selbst vieltausendfaches Bitten und Flehen dazu bewegen kann, all den schrecklichen Ängsten und unsäglichen Leiden hier auf Erden endlich ein Ende zu bereiten?

Ganz im Gegenteil, dieser Gott geht in seinem Sadismus noch einen Schritt weiter. Er verspricht den Menschen eine bessere, schönere und gerechtere Welt. Warum, so stellt sich die Frage, muss der Weg dorthin gepflastert sein mit Leiden und Schmerzen und Tränen, wenn nicht eben zur Ergötzung dieses Gottes und seiner himmlischen Heerscharen? Es läge ja durchaus in seiner Macht, diese verheissene bessere Welt schon hier und heute Realität sein zu lassen. Gibt es auch nur einen einzigen Grund, ein derartiges Versprechen dieses Gottes zu glauben?

Ich sage nein, denn was er einstens geschaffen hat und unter dem wir hier nun zu leiden haben, zu dem meinte Gott schon mal in seiner vorausschauenden Allwissenheit, dass es sehr gut sei. Könnte es sein, dass für ihn eine bessere Welt einfach ein noch grauenhafteres Spektakel an Leiden ist? Gewisse Reden über Höllenqualen seines angeblichen Sohnes, den er ja auch leiden liess, sowie Hinweise in der Apokalypse (Offenbarung) des Johannes können durchaus so interpretiert werden.

Eine Verbesserung seiner Verhältnisse kann bestenfalls erwarten, wer hier vor diesem Gott zu Kreuze kriecht, wie der Volksmund diese Erniedrigung durchaus treffend zu bezeichnen vermag. Eine Garantie ist auch das nicht.

Eine göttliche Machtdemonstration

Welche Beziehung dieser Gott zu der von ihm geschaffenen Kreatur hat und zu welchen Ungeheuerlichkeiten er fähig ist, das bewies er unübertrefflich zu Noahs Zeiten.

Da stellte er nämlich fest, dass, wenigstens sah er das so, die Bosheit der Menschen gross war. "Da reute es ihn, dass er ..." - nein, nein, eben nicht, es reute ihn keinesfalls, dass er das Böse geschaffen hatte, sondern, so sagt es uns die Bibel explizit, "da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte"!

Folgerichtig rottete er nicht etwa die Bosheit aus, sondern beschloss, Mensch und Tier in einer eigens dafür inszenierten Sintflut zu ersäufen, was er tatsächlich auch gnadenlos tat - bis auf die paar wenigen Exemplare, die er für die Fortsetzung des Leidensspektakels für notwendig hielt.

Warum?

Blenden wir nochmals an den Anfang zurück und fragen uns: Warum hat Gott diesen Baum der Erkenntnis mitten in den Garten Eden gepflanzt? Warum erbot er dem Menschen ohne erkennbare Notwendigkeit, von den Früchten dieses Baumes zu essen? Warum kam die Schlange auf die Idee, die Menschen zum Übertreten dieses Verbotes zu verführen? Warum wollte Gott dem Menschen die Erkenntnis über gut oder böse vorenthalten?

Viele kluge Menschen haben sich darüber schon Gedanken gemacht. Apelles, ein bedeutender Marcion-Schüler, stellte schon im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in seinen 'Syllogysmen' zur Sündenfall-Geschichte fest:
  • Da Gott selber über die Erkenntnis von Gut und Böse verfügt, muss sie - wie alles, was Gott zugeschrieben wird - als gut begriffen werden; dann aber ist es böse von Gott, wenn er diese Erkenntnis den Menschen vorenthalten hat.
  • Wenn die Menschen noch nicht die Erkenntnis von Gut und Böse hatten, wie sollten sie dann die Bosheit ihrer Übertretung begreifen. Dann war das Verbot eine Überforderung und die Bestrafung eine Ungerechtigkeit.
  • Wenn Gott im Voraus wusste, dass Adam das Gebot übertreten würde, dann war das Gebot überflüssig. Gott würde aber nichts Überflüssiges tun. Wenn Gott die Übertretung aber nicht vorher wusste, dann war er nicht allwissend, also nicht Gott.

Die Mär vom freien Willen

Solche Kritik an Gott und seinen Absichten und seinem Verhalten wiegt schwer.

Aber auch wenn der biblische Befund keine anderes Verständnis zulässt (siehe weiter oben unter '... nicht einfach ein Betriebsunfall'), so haben Kirchenväter und Theologen bis auf den heutigen Tag versucht, den Sündenfall in der ihr eigenen speziellen "Hermeneutik" (die der deutsche Philosoph Hans Albert als "korrupt" bezeichnete), so lange umzuinterpretieren, bis Gott wieder ins Bild eines allmächtigen, allgütigen und allwissenden Schöpfers passt, einem Gott, der es von Anfang immer nur gut mit seinen Geschöpfen meinte und barmherzig und gütig war. (dass dieses Bild ein völliger Trugschluss ist, ist auch hier aufgezeigt)

So entstand denn auch die Mär vom freien Willen des Menschen. Dass ein freier Wille - egal ob bei Gott oder den Menschen - einen logischen Widerspruch zur behaupteten Allwissenheit und Allmacht Gottes bildet, das kümmert keinen Apologeten.

Aber gegen den freien Willen des Menschen spricht auch, dass die meisten Christen der Ansicht sind, dass das menschliche Leben eben doch in vielen Punkten vorherbestimmt ist, speziell wenn's denn um Glück und Unglück, Not und Leid im Leben der Menschen geht. Wie anders ist es denn zu erklären, wenn in Todesanzeigen so häufig (sinngemäss) steht: "Es hat Gott dem Schöpfer gefallen, unsere(n) geliebte(n) XY zu sich in den Himmel zu rufen."

Aber lassen wir mal alle Einwände und Bedenken beiseite und nehmen einmal ganz naiv an, der Mensch hätte tatsächlich einen solchen freien Willen bekommen. Würde das die Schuld von Gott wegnehmen?

Auf keinen Fall! Gott wäre als allumfassender Schöpfer weiterhin die ausschliessliche Ursache von allem und damit auch des Bösen und dem von ihm inszenierten Sündenfall. Der Mensch konnte mit seinem (angeblich) freien Willen sich nur deshalb dafür entscheiden, das Verbot zu übertreten, weil es da war und Gott die Verführung durch die Schlange inszenierte.

Hätte Gott nur schon den Baum der Erkenntnis durch die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert bewachen lassen, so wie er nach dem Sündenfall den Zugang zum Paradies und dem Baum des Lebens bewachen zu verhindern wusste, dann wäre der Sündenfall nicht passiert. Aber genau das entsprach offensichtlich nicht dem Plan Gottes ...

Reimarus, Simplicius und Cacochartum

Dass Gott der Verantwortung als moralische Ursache für den Sündenfall nicht entkommt, drückte der deutsche Philosoph und Theologe Hermann Samuel Reimarus im 18. Jahrhundert in seinem Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes treffend so aus:

"Wer gewiß vorher weis, daß ein Mensch in Sünde verfallen wird, wenn ihm eine reitzende Gelegenheit dazu gegeben würde, und doch diese reitzende Gelegenheit dem Menschen ohne Noht giebt, da er sie füglicher hätte weglassen können und sollen, der ist eine moralische Ursache der Sünde des Menschen."

Reimarus stellt diesen Sachverhalt, also die göttliche Versuchung, in einem wunderschönen Vergleich dar, der dem geneigten Leser nicht vorbehalten werden soll:

"Gesetzt, ich weis voraus, daß Simplicius sich wird voll sauffen, und sich sowohl als seinen Nachkommen eine unheilbare Krankheit, die schwere Noht, zuziehen, wenn man ihm einen schönen Römer mit Wein vor Augen setzt, und einen schlauen Menschen dabey stellet, der ihn zum Trunke nöhtigen wird. Ich mache mein bestes Zimmer im Hause zurecht: setze zwar hin und wieder allerley Eßwaren, auch Wasser, Bier, Thee, Caffee herum, in der Mitte aber setze ich einen grossen Römer auf dem Tische, dessen Wein mit seinem glüenden Glantze und erquickenden Geruche einen desto angenehmern Geschmack verspricht. Unter dem Tische liegt ein Anthal von demselben Weine, woraus mehr zu zapfen ist; ich gebe ihm den Namen Vin de joie.

Nun lasse ich Simplicium zu mir bitten, führe ihn in dies Zimmer, und spreche: Hört, ich kann für eine Weile nicht bey euch seyn; wenn ihr aber unterdessen Appetit bekommt, so steht da allerley Essen und Trinken zur Erfrischung im Zimmer herum; aber nehmt euch in acht für den Vin de joie in der Mitte, daß ihr nicht davon trinket; denn wo ihr das thut, so werdet ihr euch eine unheilbare Krankheit zuziehen.

Hierauf gehe ich weg; lasse aber Cacochartum alsobald hinein, ohne daß der da was zu schaffen hat. Ich weis es unterdessen wohl, daß der eine Freude daran zu haben pflegt, wenn er jemand zum Argen verleiten ann, und daß er dem Simplicio viel zu schlau ist. Dieser fängt ein freundschaftlich Gespräch mit Simplicio an, kommt endlich auf den Wein und nöhtiget ihn zum Trinken. Simplicius weigertsich, mit wiederholter Warnung des Wirts. Ey, sagt Cacochartus, merkt ihr denn nicht, daß der Wirt diesen Wein nur für sich allein behalten will? Riecht nur den Wein einmal, und seht wie er im Glase spielt: er heist nicht umsonst Vin de joie: wenn man den trinkt, so wird man so vergnügt als immer ein König seyn kann. Last uns heute lustig seyn; ich will den ersten Trunk thun, ihr sollt sehen, daß es mir nicht schadet.

Mein Simplicius läst sich bereden, trinkt, kommt in den Geschmack, berauscht sich, daß er allen Verstand verliert, und kriegt die schwere Noht; da liegt er! Nun komme ich wieder dazu, wie Simplicius sich etwas wieder erholt, schmäle ich mit Cacocharto sowohl als Simplicio, daß sie beide ihr Unglück zur Strafe davon tragen würden. Endlich jage ich Simplicium aus dem Zimmer und Hause, verschließe das Zimmer und stelle ein Paar Diener mit bloßen Degen davor, daß niemand weiter hineinkommen und von dem Wein trinken solle.
" (Die Abschnitte existieren im Original nicht, sind hier jedoch der besseren Lesbarkeit wegen eingefügt)

Dieses Thema hier ist sehr nahe verwandt mit der Theodizee-Problematik, über die Sie mehr erfahren unter Gott und das Übel.

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