Einst das grosse Ragazer Bibelquiz ...

... heute grundlegende Kritik an Gott, Bibel und Christentum.


Deschner - Der gefälschte Glaube
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Das Ragazer Bibelquiz umfasste bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2008 insgesamt 1'109 Fragen. 29'495 Teilnehmer beantworteten 953'340 Fragen. Nebst vielen weiteren Bibelrätseln fanden sich hier auch über 500 Sudokus.
Heute ...
... stehen unverkennbar keine (Bibel-)Rätsel mehr zur Verfügung.
Stattdessen finden Sie hier nun manches Interessante und auch Erschreckende über Gott und Bibel, über Religion und Glaube, Dinge, die Kirchen und ihre Diener verschweigen und Gläubige meist nicht wissen (wollen).
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Diese Seite wurde am am 28.07.2012 letzmals aktualisiert.

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Gott und das Übel in der Welt

Der bekannte britische Religionsphilosoph Richard Swinburne definiert Gott in seinem Standardwerk 'Die Existenz Gottes' als "eine Person, körperlos (d. h. ein Geist), ewig, vollkommen frei, allmächtig, allwissend, vollkommen gut und Schöpfer aller Dinge."

Dem wird kein gläubiger Christ ernsthaft widersprechen wollen, genau so wenig wie der wohl überall unstrittigen Feststellung, dass ein vollkommen gutes Wesen wie Gott alles Böse und alles Übel vollständig beseitigen will. Mit der Sintflut ist ja ein (zwar völlig misslungener) Versuch Gottes zur Beseitung des Bösen tatsächlich auch biblisch dokumentiert.

Nun ist aber auch unbestreitbar, dass wir auf dieser Welt trotz dieses allmächtigen und vollkommen guten Gottes viel Übel haben. Da ist nicht nur sogenannt moralisches, also von Menschen verursachtes Übel wie Hass, Missgunst, Betrug, Mord, Krieg und dergleichen mehr zu finden. Es gibt sehr viel Übel, das von Menschen nicht zu verantworten ist, so zum Beispiel Erdbeben, Vulkanausbrüche, Dürren, Überschwemmungen und unabwendbare Krankheiten, Seuchen, körperliche Missbildungen und vieles andere mehr.

Das eingangs erwähnte Gottesbild führt angesichts des unbestreitbaren Übels und dem immensen Leid, das daraus erwächst, zwangsläufig zur Frage: Warum lässt ein allmächtiges und vollkommen gutes Wesen wie Gott das alles zu? Der Versuch, Gott dafür zu verteidigen - seit Leibniz (1646-1716) als Theodizee bekannt - beschäftigt Gläubige, Theologen und Philosophen seit Tausenden von Jahren.

Will er nicht, kann er nicht oder ist er nicht?

Dem griechischen Philosophen Epikur (341-270 v. Chr.) wird die heute bekannteste Darlegung der sogenannten Theodizee-Problematik (also der Schwierigkeit, Gott angesichts des Übels auf dieser Welt zu rechtfertigen) zugeschrieben. Daran angelehnt beschrieb rund 500 Jahre später der Philosoph Sextus Empiricus im 2. Jh. unserer Zeitrechnung in seinem 'Grundriss der pyrrhonischen Skepsis' die Theodizee-Problematik so:
"Wer die Existenz Gottes behauptet, der sagt entweder, Gott sorge für alle Dinge in der Welt, oder, er tue es nicht. Und wenn er vorsorge, dann entweder für alle oder nur für einige.

Wenn er für alle vorsorgte, dann gäbe es weder Schlechtes noch Schlechtigkeit in der Welt. Von Schlechtigkeit sind aber alle Dinge voll. Also wird man nicht behaupten, Gott sorge für alle Dinge.

Wenn er aber nur für einige vorsorgt, warum sorgt er dann nur für diese, für jene aber nicht? Entweder will er und kann er für alle Dinge vorsorgen, oder er will zwar, kann aber nicht, oder er kann, will aber nicht, oder er will nicht und er kann nicht.

Wenn er wollte und auch könnte, dann würde er für alle Dinge vorsorgen. Er sorgt aber nicht für alle Dinge vor. Also trifft es nicht zu, daß er für alle Dinge vorsorgen will und auch kann.

Wenn er zwar will, aber nicht kann, dann ist er schwächer als die Ursache, derentwegen er nicht für alle Dinge vorsorgen kann. Es verstößt jedoch gegen den Gottesbegriff, daß er schwächer als etwas anderes sein soll.

Wenn er für alle Dinge zwar vorsorgen kann, aber nicht will, dann müßte man ihn für mißgünstig halten, und wenn er weder will noch kann, dann ist er mißgünstig und auch schwach, was nur Frevler von Gott behaupten. Also sorgt der Gott nicht für die Dinge in der Welt.

Wenn er aber für nichts Vorsorge trifft und es kein Werk von ihm gibt und auch keine Wirkung, dann vermag man nicht zu sagen, woher erkannt wird, daß es Gott gibt, wenn er doch weder aus sich selbst erscheint noch durch irgendwelche Wirkungen erkannt wird. Deswegen also ist unerkennbar, ob es Gott gibt.
"
Soweit also Sextus Empiricus' Darlegung der Theodizee-Problematik.

Alle Rechtfertigungen Gottes scheitern

Indem sie Gott derart grossartige Wesenseigenschaften zuschreiben, stellen sich die Gläubigen der monotheistischen Religionen selbst eine Falle, der sie nicht mehr entkommen - ausser sie beissen sich sinnbildlich selbst ein Bein ab wie ein in einem Tellereisen gefangenes Raubtier.

Alle Bemühungen selbst der eifrigsten und cleversten christlichen Apologeten, Gott ungeachtet des überall anzutreffenden Leides zu rechtfertigen, sind daher bis auf den heutigen Tag gescheitert. Keiner der grossen Theologen und Philosophen, weder Augustinus noch Thomas v. Aquin noch Luther oder Rahner, und auch nicht Leibniz, Hegel oder Swinburne konnten eine Lösung zum Theodizee-Problem liefern.

Das Bild eines allmächtigen und vollkommen guten Gottes steht nun einmal in einem unauflösbaren Widerspruch zu dem auf dieser Welt anzutreffenden Übel. Diesen Widerspruch aufzulösen und damit der selbstgestellten Falle zu entkommen, würde bedeuten, eine der beiden prägenden Eigenschaften Gottes aufgegeben zu müssen.

Tatsächlich versucht der Neutestamentler Klaus Berger darzulegen, dass Gott das Böse nicht geschaffen habe (siehe dazu Der Sündenfall), sondern das Böse bereits existent war, als Gott zu wirken begann. Berger spricht damit Gott die Allmacht ab, denn diese sei, so Berger, nur ein Element der griechischen Philosophie.

Der Verlust der Allmacht hätte jedoch gravierende Auswirkungen auf das vorherrschende Gottesbild der Gläubigen, denn ein seiner "... Macht beraubter Gott hörte auf, Gott zu sein", so der bekannte katholische Theologe Hans Küng dazu in seinem 'Credo'.

Würde man Gott stattdessen die Allgüte absprechen, wäre die Veränderung des Gottesbildes noch einschneidender. Küng dazu: "Und die Vorstellung, dass der Gott der Bibel statt gütig und gerecht grausam und willkürlich wäre, ist erst recht unerträglich."

Da es unbestreitbar Übel gibt, ist Gott entweder nicht allmächtig oder nicht vollkommen gut - oder es gibt ihn überhaupt nicht, wie es Sextus Empiricus anklingen lässt. Das ist dann auch die mit Abstand vernünftigste Erklärung, denn ausser einem mit keinerlei Fakten begründbaren Glauben der Gläubigen spricht nichts für die Existenz eines Gottes, jedoch sehr viel dagegen.

Das Märchen vom freien Willen

Die wohl meistgehörte Rechtfertigung Gottes für Leid, Schmerzen, Not und Elend ist, dass sich Menschen wegen ihres angeblich freien Willens immer wieder auch für das Schlechte und Böse entscheiden. Gott würde, so wird behauptet, niemals eingreifen und dadurch den freien Willen der Menschen missachten - ausgenommen natürlich, wenn Gläubige ihn darum bitten, etwas zu tun, egal ob das die freie Willensausübung anderer Menschen einschränkt ...

Derartige Regelabweichungen gesteht man Gott natürlich jederzeit gerne zu, so wie ja auch die Bibel unzählige Male beschreibt, wie Gott den freien Willen von Menschen, ja von ganzen Völkern zugunsten von ein einzelnen oder wenigen Privilegierten missachtet. Aber ansonsten, so muss man folgern, zählt bei diesem Gott der freie Wille des Mörders, sein Opfer umzubringen, mehr als der freie Wille eben dieses Opfers, weiter leben zu dürfen, und auch mehr als der freie Wille einer ganzen Familie, ihren Ehemann und Vater behalten zu dürfen. Sieht so die Güte und Gerechtigkeit eines vollkommen guten Wesens aus?

Tatsächlich die beste aller Welten?

Weil sich natürliches Übel nicht mit der Bosheit der Menschen erklären lässt, werden (Natur-)Katastrophen und Krankheiten usw. kurzerhand zur gerechten Strafe Gottes für die Bosheit der Menschen erklärt (womit Gott den freien Willen des Menschen also erneut missachtet!). Was für ein ungerechter und sadistischer Zyniker muss dieser Gott sein, wenn er unschuldige Kinder missgebildet zur Welt kommen oder hungern oder sexuell missbrauchen lässt. Soll das eine gerechte Strafe sein - und wenn ja, für was?

Wiederum andere Verteidiger Gottes erklären in ihren Theodizeen das Übel als erforderlich für das Zustandekommen von Gutem, oder wie Leibnitz sagte, "um das Verhalten der Lebewesen in die richtigen Bahnen zu lenken".

Was jedoch sollen hungernde Babies lernen, wenn sie keine Chance haben, aus eigener Kraft etwas verändern zu können? Und warum müssen überwiegend schwarze Babies hungern und weisse Kinder nicht? Wird letzteren in der industrialisierten westlichen Welt das von Gott gewünschte Verhalten bereits in die Wiege gelegt, so dass sie in Saus und Braus heranwachsen dürfen?

Leibnitz vertrat weiter die Meinung, die Welt wie wir sie kennen sei die beste aller möglichen Welten. Abgesehen davon, dass sich da sofort die Frage stellt, woher denn Leibnitz alle möglichen Welten kennen will: Angesichts all des Leids und der Schmerzen ist das eine reichlich absurde Behauptung, zumal ausgerechnet der Schöpfer dieser unserer äusserst mangelhaften, aber angeblich besten aller Welten den Gläubigen ja grosse Hoffnungen macht, nach ihrem leiblichen Tod in eine schönere, bessere, gerechtere Welt ohne Tod, Leid und Elend einziehen zu dürfen. Gott oder Leibnitz trickst da gewaltig.

Menschenverachtender Zynismus

Zu welch ungeheuerlichen, Mensch, Leben und Leid verachtenden Äusserungen derartige Rechtfertigungsversuche auch führen können, demonstriert Richard Swinburne in seinem weiter oben schon erwähnten Buch: "Angenommen, es wäre durch die Atombombe von Hiroshima auch nur ein Mensch weniger verbrannt. Dann hätte es eine Gelegenheit weniger für Mut und Mitgefühl gegeben …".

In ebenso menschenverachtenden Zynismus meinte Swinburne in einer Diskussion für das britische Fernsehen, der Holocaust habe den Juden eine großartige Gelegenheit verschafft, sich als mutig und edel zu erweisen. (nach Dawkins 'Gotteswahn').

Da kann man sich nur fragen: Fällt diesem angeblich so überlegenen Wesen tatsächlich nichts anderes ein, als Menschen zu qälen und leiden zu lassen, um andere damit zu Mitgefühl und Hilfestellung zu motivieren?

Treibsand der Rechtfertigungsversuche

Diese wenigen Beispiele machen deutlich, wie sich Apologeten mit ihren Rechtfertigungsversuchen immer tiefer in argumentative Schwierigkeiten verstricken. Jeder Rechtfertigungsversuch wirft neue unauflösbare Widersprüche und unerklärbare Ungereimtheiten auf. Oder anders gesagt: Der Apologet geht in seinen Rechtfertigungsversuchen wie im Treibsand immer weiter und immer schneller unter, je mehr er sich zu wehren versucht. Es gibt keinen Ausweg aus dem Dilemma der Theodizee. Gott ist, wenn es ihn denn gäbe, entweder nicht allmächtig oder nicht allgütig - und damit in jedem Fall weit entfernt von dem, was Christen sich als Gott vorstellen.



Demnächst mehr zum Thema 'Theodizee' hier auf dieser Seite.

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